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Punk & Chaos

PUNK UND CHAOS

Es war einer von diesen Tagen. Das graue Winterwetter trieb dichte Schneewolken über die Innenstadt und ein eisiger Ostwind ließ Ratte schaudern. Er zog sein PLO Tuch enger um den Hals und verfluchte seine zerlöcherte Jeans durch die es unangenehm kalt wurde.
Ratte hatte sich strategisch in die Nähe des Eingangs zu einem großen Kaufhaus postiert um so von der ab und an aufkommenden Wärme zu profitieren die immer dann entstand wenn Kunden durch die vollautomatische Tür traten. Das war auch der Moment wo er durch sein Tuch nuschelte: " Mal ein bißchen Kleingeld über ? " meist konnte er kurz darauf einen Spruch wie: "Blöde Spießer Fotze" oder "Nazischerge" folgen lassen weil er von den meisten Passanten gekonnt ignoriert wurde.

Sein ehemals hoher Iro lag platt am Kopf und machte ein recht kläglichen Eindruck. Man mußte halt abwägen ob man die mühsam erschnorrte Kohle für Bier oder Haarlack ausgab. In den letzten Tagen flossen die Einnahmen auch nicht so reichlich in die Taschen von Rattes Lederjacke so daß er ein gewisses Mitleid mit dem Finanzminister empfand weil Ratte solidarisch spürte was eine Konjunkturkrise bedeuten konnte. Während er noch in den trüben Nachmittag hinausstarrte hörte er eine kalte Stimme hinter sich. " Hiermit erteilen wir ihnen vor unserem Warenhaus einen Platzverweis. Sie belästigen die Kunden und wir möchten sie auffordern sich zu entfernen". Seufzend drehte Ratte sich um und starrte in die fiesen Gesichter von zwei Kaufhausdetektiven. Nach einer kurzen Musterung der beiden wußte Ratte das sie ihm körperlich haushoch überlegen waren und er machte ein paar Schritte vom Eingang des Warenhauses weg. Sofort umfing ihn das naßkalte Schneegestöber der Fußgängerzone.

Nach ein paar weiteren Metern drehte Ratte sich um und schleuderte aus der Hüfte heraus die leere Bierflasche welche er die ganze Zeit verkrampft in er rechten Hand gehalten hatte. Das Geschoß sauste am Kopf des einen Detektiven vorbei und krachte direkt in die Frontscheibe des Glaseingangs. Dieser quittierte den Angriff indem er einfach in tausend Scherben sprang und einen gläsernen Regen über die beiden Detektive ergoß. Ratte lachte auf. Es war ein befreites Lachen. Das Lachen eines Siegers der in einer dunklen , bösen Welt für einen kurzen Moment das Licht angeschaltet hatte. Dann rannte er los was die Beine hergaben um sich so schnell es ging von den immer noch verdutzten Detektiven zu entfernen. Er stolpert mehr als das er rannte aber es gab keine Verfolger.

Ratte ereichte den kleinen Park in der Stadtmitte und hielt auf dem Spielplatz kurz inne um zu Atem zu kommen. Es wurde rasch dunkel und noch ein wenig kälter. Irgendwie mußte er auch noch einen Pennplatz organisieren. Seit einem halben Jahr lebte der 18 jährige auf der Strasse. Nun ja, das klang vielleicht etwas zu dramatisch. Meist kam er bei Kumpels unter so daß die Straße eher selten sein Bettchen wurde. Aber es hörte sich gefährlich an und machte bei den Mädels Eindruck. "Ratte, der Rebell der Straße." " Der Bezwinger von Wind und Wetter". " Der Alptraum aller Bullen" ..Während Ratte noch über Mädels nachdachte und sein Atem wieder ruhig ging hörte er ein Geräusch hinter sich. Es war das eindeutige Schnarren von schweren Springerstiefel über Kies. Das konnten ein paar Kumpels vom Bahnhof sein die mit dem erschnorrten Geld der Reisenden eine Palette Hansa mitgebrachten. Zeit für eine Party. Zumindest waren das Rattes Wunschgedanken. Die andere Alternative wäre nicht so erbaulich gewesen.Auch die Herrenrasse trägt gerne jenes spezielle Schuhwerk. Langsam dreht Ratte sich um.....

2 ( Fortsetzung von Christina Wolff ):

Langsam drehte Ratte sich um. Zu seinem großen Bedauern traf Möglichkeit Nr.2 zu. Er blickte direkt in die Augen von drei kahl rasierten, stämmigen Typen, die Ratte grimmig ansahen. Einen der Skinheads kannte Ratte. Er wurde Lude genannt. Dieser Spitzname hing mit einem General aus dem dritten Reich namens Erich Ludendorff zusammen. Warum Lude sich so nannte, war Ratte jedoch auch unklar. Die beiden waren vor sehr langer Zeit mal zusammen zur Schule gegangen, wodurch Ratte seine Einstellung sehr gut kannte. Sie waren schon immer verfeindet gewesen. Lude selbst war ein Weichei, doch sein Begleiter sahen nicht zum Spaßen aus.

Ratte war selbst überrascht von seiner blitzschnellen Reaktion bei dieser Kälte. Er musste den Weg nehmen, den er auch hergerannt war, um zu entkommen. Also rannte er so schnell er konnte los. Was er wirklich nicht gebrauchen konnte, war jetzt auch noch von drei Nazis halb tot geschlagen zu werden. In diesem faschistischen Staat musste man aber auch dauernd auf der Flucht sein! Wollte er nun lieber den Kaufhausdetektiven inklusive Bullen in die Arme laufen oder seinen drei Schlägerfreunden? Während er über diese knifflige Frage grübelte, war er schon wieder in der Fussgängerzone auf dem Kirchplatz angekommen. Vor sich erblickte er Polizisten und hinter sich konnte er schon seine anderen Verfolger hören. Jetzt durfte er keine Zeit verlieren. Die Polisisten hatten ihn noch nicht bemerkt, da sie in eine Lagebesprechung vertieft waren. Vermutlich wie sie Ratte am besten zu fassen bekommen würden. Dabei stand er direkt vor ihnen.
Aber wo konnte er jetzt hin? Wer ließ ihn rein???

Die Kirche! Das war die Idee! Ratte zwängte sich schnell durch die schwere Tür der Stadtkirche. Ihm schlug ein Geruch entgegen, der ihn stark an Gras erinnerte, aber das war dann wohl Weihrauch. Hier drin war es zwar auch nicht viel wärmer, aber wenigstens war er raus aus dem Schneegestöber. Eigentlich hatte er eine große Abneigung gegen dieses Gebäude, aber nun nutzte es ihm doch mal zu etwas. Außerdem war ihm gar keine andere Wahl geblieben.
Draußen vor der Tür kam es zu Rattes großer Begeisterung zur Auseinandersetzung zwischen den Skinheads und der Polizei. Sie wurden taktisch klug von Ratte zusammengeführt, wie er sich im Nachhinein nicht ohne Stolz überlegte. Er konnte durch die bunten und unebenen Glasscheiben der Kirche nicht viel erkennen, aber es war klar, dass beide Parteien einsteckten. Zufrieden wendete sich Ratte vom Fenster ab und sah sich in der Kirche um...

3 ( Fortsetzung von Adam Schmaderer ) :

Entspannt atmete er durch und ließ sich auf eine der Kirchenbänke fallen. Plötzlich vernahm er ein lautes Krachen und Hämmern aus der Richtung in der sich die Eingangstür befand. Ratte schnellte wie von der Tarantel gestochen hoch und versuchte einen als Waffe brauchbaren Gegenstand zu finden. Er entschied sich für die Büste der heiligen Jungfrau Maria. Schnell huschte er zur Tür und begann sich auf einen Kampf auf Leben und Tod vorzubereiten. Wer sich hinter der Tür befand konnte er nur erahnen doch alles deutete darauf hin das er hier unerwünscht sei.

Plötzlich sprang die Tür auf! Ein völlig betrunkenes Subjekt mit viel zu wenig Haaren auf seinem Kopf betrat die Kirche und gröhlte: "Oi! Oi! Oi! SAUFEN, FICKEN, RANDALIEREN!"
"Tonne?" ,ertönte es aus Rattes blaugefärbten, aufgesprungenen Lippen. "Wer will das wissen ?", erwiderte das Gegenüber! "Erkennst du mich nicht du fette Pissnelke?" Tonne musterte den abgemagerten Jungen und lallte mit abgehackten Worten: "Ratte du alda Hühnaerschregger!" Ratte wollte natürlich sofort wissen was Tonne in die Kirche trieb, doch der erwiderte seine fragenden Worte nur mit einem leisen aber dennoch hörbarem "scheiss auf religionen!". Mit dieser holen aber dennoch vertretbaren Meinung gab sich der übermüdete und völlig ausgelaugte punk zufrieden und beschloss seinen weg dem übergewichtigen Skinhead anzupassen.

Durch den Hintereingang sollte es gehen haben die beiden beschlossen. Diese Option erwieß sich als einzig mögliche denn wie wir wissen hatte Ratte auf der einen Seite die Bullen und auf der anderen Seite ein paar wutentbrannte Arische Kleinhirne auf der Suche nach Menschen die immer wieder versuchen die Stammrasse zu verunreinigen.

Tonne beschloss noch mal zum Kiosk zu gehen um sich seinen Bier Vorrat für den heutigen Abend zu besorgen. Da Ratte den Tonne schon seit einer halben Ewigkeit kannte war er sich sicher in dessen bescheidener Behausung unterzukommen. Am Kiosk angelangt wurden sofort 24 Dosen, gefüllt mit eisgekühltem Gerstensaft, gekauft. Diese Investition war jedoch nicht von langer Dauer da sie einem sehr unliebsamen Zeitgenossen in die Arme liefen .....

4 (Fortsetzung von Magdalena Wolff ):

Davon jedoch konnte Ratte, der sich noch auf eine kleine Party freute natürlich nicht ahnen. Doch eins war ihm schon ganz zu Anfang seiner Karriere als 'Rebell der Straße' klargeworden: Wer Bier hat, der hat auch Freunde! Gut die Hälfte der Bierdosen war schon leer (und unverzüglich im Gebüsch oder am Straßenrand gelandet) und zu dem Gartenhaus, im den Tonne wohnte nunm sechs statt anfangs zwei bunte, frierende Gestalten unterwegs.

Dort drinnen angekommen war es zwar auch nicht viel wärmer, doch zumindest zog es nicht mehr so schauerlich, wie auf der Straße. Tonne hatte zwar einen kleinen Holzofen, aber der qualmte mehr, als dass der wärmte, als jetzt ein dünner grßer Junge mit weit abstehenden Ohren (die hatten ihm den Spitznamen Muschel, für Ohrmuschel, eingebracht) versuchte ihm ein bisschen wärme Luft abzugewinnen. Na egal, Nichtraucher saßen hier eh keine beisammen, und ein Übel mussten sie ja in Kauf nehemen.Das Gartenhaus war ziemlich winzig, und zudem noch halb mit altem Gerümpel zugestellt. Das gehörte vermutlich genauso wie das ganze Gartenhaus Tonnes Oma. Die kannte Ratte zwar nur flüchtig, aber war sich sicher, dass sie eine Klasse für sich war. Mit dem Vater von Tonne (also ihrem Sohn) hatte sie sich schon vor Jahren zerstritten, und nun, da es Tonne nicht eben anders ging, wohnte Tonne eben bei ihr. Der Grund, dass Tonne trotzdem in dem zugigen Gartenhaus wohnte war, dass sie sich mit ihm nicht eben wesentlich besser verstand, als mit ihrem Sohn. Hie und da steckte sie ihm sogar mal ein Scheinchen zu, doch diese Scheinchen waren geauso klein, wie sie knickerig. ... und Tonne fett!

Die Stimmung in ebendiesen Gartenhaus derweil war super. Ratte erzählte seine Geschichte vom Nachmittag, viele hatten schon Ähnliches erlebt, und das Bier besorgte den Rest.Dass Tonne verschwand bekam eigentlich nur Ratte mit, da er direkt vor der Tür saß und aufstehen musste. Wollte wohl bei Omi was zu Essen schnorren, sah ihm ähnlich, dem Fettsack...Gerade gestärkt sah er jedoch nicht aus, als er zurückkam. Seine sonst so roten Pausbacken waren ziemlich blass, und auch sonst wirkte er ziemlich fahrig. ''D-d-d-die A-Alte... M-m-meine oma, ... die hat n Löffel abgeben...'' Er stotterte noch eine Weile rum, doch irgendwann war klar, dass der, in der Küche der Alten wohl den Schock des Lebens bekommen hatte.Als die ganze Horde die leicht miefende Wohnung betraten bot sich ihnen, in der Küche angekommen ein ziemlich kurioses Bild: Am Tisch sitzen, mit aufgerissenen Augen und vornübergekipptem Kopf 'saß' da Tonnes Oma. Ihre goldgeränderte Brille schwamm in der Suppe, die in einem Teller vor ihr stand...

5 (Fortsetzung von Britta Niemann):

"geil, dann erbst du sicher die bude hier, oder?", fragte muschel, doch das war das letzte, an das tonne dachte. zwar verstand er sich nie sonderlich gut mit seiner oma, aber jetzt war er - mit ausnahme der jungs vonner straße - wieder auf sich allein gestellt, ohne scheinchen, ohne essen. es roch erbärmlich in dem haus und ratte fragte sich, wie lang sie schon so da gelegen haben konnte. er verwarf den gedanken, dass es sich um mehrere tage handeln musste, allerdings schnell, denn ihr enkel wäre sonst "vom fleisch gefallen". keiner wusste, was sie tun sollten, aber den 'freund und helfer' in grün zu fragen war ausgeschlossen. "verbuddeln wir sie im garten, dann kriegst du auch noch schön die rente!", grinste muschel, obwohl es eigentlich nur als scherz gedacht war. tonne grübelte kurz und nahm seine oma anschließend auf die schulter. "wir müssen das jetzt machen, wo es dunkel ist. muschel, du gehst in' keller und holst die schaufel und du, ratte, holst ein paar flaschen kurzen aus der bar. sie kanns mir ja jetzt eh nicht mehr verbieten.."

ratte war unwohl bei dem gedanken, diesen alten, dürren körper anzufassen, weshalb er sich sofort auf den weg ins wohnzimmer machte. er verspürte einen leichten brechreiz und ertränkte diesen mit alkohol. "das zeug hilft doch immer..", murmelte er und machte sich vollbeladen auf den weg ins gartenhaus. plötzlich hörte er ein komisches geräusch zu seiner linken und er drehte sich erschrocken um. "schleim?", grunzte er, denn er war sich nach einer kurzen überlegung sicher, dass schleim ihn wieder erschrecken wollte. keine antwort. "das ist echt lustig, schleim..komm raus..!", knurrte ratte anschließend. schleim war ein großer, grünhaariger kerl der eigentlich durchgehend am schleim spucken war. doch nichts tat sich. er hörte dieses geräusch immer wieder, es klang wie eine art knabbern. leider war es zu dunkel, als dass er etwas hätte erkennen können, doch auf einmal wurde ihm bewusst, was die quelle jenes geräusches war: eine kleine, schwarze ratte huschte übers parkett. schnell packte er die flaschen auf einen tisch und versuchte, dieses kleine ding zu fangen.

es sah so einsam aus, genau wie er. und sie erinnerte ihn an seine erste ratte, die von einem nazi grausam zertreten worden war. daher kam auch sein spitzname, da er seine ratte eigentlich die ganze zeit in der hand gehalten hatte. vorsichtig ergriff er sie und packte sie behutsam in seine jackentasche. sie fiepte ein wenig, aber er war sich sicher, dass sie nach ein paar brotkrümeln zutraulicher würde. vollbeladen machte er sich endlich auf den weg ins freie und konnte von weitem die "leichenvernichtung" beobachten. noch immer fühlte er sich unwohl, nicht, dass er angst hätte, sie hatten ja eigentlich nichts angestellt, aber was wenn ein nachbar etwas mitbekommt? er ging langsam zum gartenhaus und stellte den alkohol rein. nach weniger als 2 minuten war die arbeit dann auch schon vollendet und sie machten es sich wieder im gartenhaus bequem. in die wohnung wollten sie nicht, denn es stank richtig eklig. außerdem würden sich die nachbarn erst recht wundern, wenn das allabendliche pöbeln und rumschreien fehlte. die stimmung war nun allerdings ein wenig geknickt, besonders tonne war ruhig wie nie.

er kippte sich einen nach dem andern rein und war nach erst drei stunden das erste mal am lächeln. ratte hatte total vergessen, sein neues "straßentier" (haustier geht ja schlecht, ohne haus) vorzustellen. er zog sie ganz langsam aus seiner jackentasche und kramte ein paar brotkrümel aus der anderen. die kleine ratte machte sich sofort ans fressen, sie sah auch sehr abgemagert aus. einen namen brauchte sie auch noch, darum nannten er sie korn. korn, das bedeutet zum einen nahrung und zum anderen das einzige mittel, was ihn wenigstens für einen kurzen moment von der traurigen realität ablenkte und ihn auf diese art auch zum lächeln bringen konnte. lachen fiel ihm schwer, denn auf der straße gab es wirklich nicht viel zu lachen. nach einigem bestaunen wandten sich alle jedoch wieder ihren getränken zu. ratte spürte, dass er müder wurde, und immer häufiger fielen ihm die augen zu. er war gerade kurz davor einzuschlafen, als ihn ein dumpfes klopfen an der tür weckte. genervt machte er die augen auf und sah, dass sich alle erschrocken umblickten. er konnte allerdings nichts sehen, da er wieder seinen stammplatz direkt vor der tür eingenommen hatte. "was ist?", murmelte ratte und drehte sich um.

6 (Fortsetzung wieder von Britta Niemann):

er versuchte aus seiner position einen blick auf die person zu erhaschen, aber es gelang ihm nicht. wohl oder übel musste er aufstehen, schließlich musste es jemand sein, der in der lage war, die anderen zu beunruhigen. stöhnend raffte er sich auf und schaute in das gesicht eines hageren, dünnen mannes, der zweifellos schmitt sein musste. tonne hatte ihn schon mehr als genug beschrieben: alt, hässlich, reich, braun. das war nichts besonderes in der nachbarschaft, schließlich hat auch seine oma einen haufen geld besessen, sodass sie sich eine villa in diesem nobelviertel leisten konnte.

ratte zog eine grimasse und schrie durch die geschlossene tür: "gibt's hier was umsonst, opi?". danach konnte man beobachten, wie die eine augenbraue des herren zu zucken begann. "ja, eine festnahme..", brummelte er und fing kurz danach an zu grinsen. "ich hab alles gesehen, wie ihr sie verbuddelt habt und so. endlich, endlich kann ich euch loswerden, euch asoziale schnorrer..", lächelte er triumphierend. sofort legte tonne protest ein, aber der kerl hatte einfach bessere mittel: bei so viel geld war es ihm ein leichtes, den jungs einen bestechlichen staatsanwalt auf den hals zu hetzen. ratte fing an mit den zähnen zu knirschen. das war eine angewohnheit bei unsicherheit. seine freunde wussten das und konnten ihn so leicht durchschauen. er drehte sich um und schaute die anderen fragend an. schleim zuckte mit den schultern, muschel schloß sich ihm an.

tonne hingegen grinste. "wissen sie, schmitt, noch ein wort mehr und sie werden alles bereuen." dieser nahm ihn aber nicht ernst und fuchtelte übertrieben mit seinem teuren handy rum, damit auch ja jeder sah, dass er jetzt die polizei anrief. "ich warne sie, schmittchen, sie sollten das besser nicht tun. um es klar auszudrücken: ich hab da ein paar unterlagen von ihnen kopiert, als ich neulich nachts bei ihnen drin war, um den alk zu plündern. sie haben sie echt nicht gut versteckt..." man sah deutlich, dass schmitt nun innehielt. "du kleiner bastard!!", schrie er, und ratte, der sich jetzt sicher war, dass tonne einen plan hatte, hob warnend den zeigefinger. "seien sie ruhig, sonst wecken sie noch jemanden. wir müssen uns doch auch anpassen, auch wenn es uns schwer fällt..". schmitt schluckte und lief langsam rot an. "ich wette du bluffst nur!" tonne schwieg. er schwieg, aber lächelte, was den kerl noch mehr beunruhigte als jedes wort gekonnt hätte. "irgendwann.. irgendwann krieg ich euch, und wenn ich euch meine jungs vorbeischicken muss!!"

man vernahm die schritte auf den steinen und schließlich konnte ratte auch den schatten nicht mehr sehen. jetzt erst fragte er tonne von welchen unterlagen er gesprochen hatte. "ehm, gute frage. bei diesen reichen bonzen ist es doch immer so, dass sie durch irgendein dunkles geheimnis an all das geld gekommen sind. die chancen standen halt sehr gut, dass auch der irgendwas heimliches treibt.." auf ihren kleinen erfolg genehmigten sie sich erst mal einen großen schluck korn, was die flasche endgültig leerte. ratte beobachtete noch einmal seinen neuen freund und legte sich zum schlafen vor die tür. alles war wie immer, bis er am morgen hustend aufwachte. panisch blickte er sich um, aber er konnte nicht viel sehen. überall war qualm und rauch, von irgendwoher kamen dumpfe schreie.

verzweifelt versuchte er die tür aufzudrücken, aber etwas schweres außerhalb der tür verhinderte dies. eine glatze mit einem hakenkreuz an der schläfe guckte durch das fenster und grinste ihn an...kein zweifel, diese wichser hatten die laube angezündet. nur wie sollte man hier wieder rauskommen? überall sah er flammen und dunklen, schwarzen qualm. das atmen fiel ihm schwer, und auch seine leute lagen keuchend und hustend am boden. er wollte den nazi noch beschimpfen, aber es fiel ihm zu schwer. da fiel ihm plötzlich etwas ein...

7 ( Fortsetzung von Christian Möller ):

...tonnes oma. Und diese unglaubliche story von der decke. Bei seinem ersten Treffen vor langer zeit hatte tonne sie ratte erzählt: Wie alle großmütter es tun hatte sie Tonne als er noch ein kind war, die geschichte von hänsel und gretel erzählt. Nur mit dem unterschied, zu den grimmschen märchen, dass sie selber eine hexe sei. Irgendwann vor langer, langer zeit wäre sie mal zu einer kaffeefahrt zum blocksberg aufgebrochen. eine von diesen kaffeefahrten wo sich die alsheimer vergrauten greise reumadecken aufschwatzen lassen um sich im winter ihren abgemagerten pelz zu wärmen.

Gerade bei dieser veranstaltung war es. sie war nur eben ihre altersgeschwächte blase, die vom überhöten kaffee und cognac genuss zum platzen berste, entleeren gegangen als ihr plötzlich aus der kloschüssel helle, leuchtend bunte sterne und funken entgegen sprühten, so dass sie im ersten moment von der fazination und der schönheit der farben einen kreislaufkollaps mit anschließendem herzinfarkt zu erliegen drohte. Wäre da nicht dieses kleine walpurgismännchen gewesen, dass sofortige wiederbelebungsmaßnahmen an ihr praktizierte.

"hat mir dieser bengel wieder haschisch in meine kekse gebröselt" stöhnte sie verwirrt und nach luft ringend. "nein, nein, nein sein herz ist rein...er wird einmal ein punkerlein" zwinkerte ihr das männchen zu..."ein guter, guuter junge...der viel sehen und erleben wird " jauchzte er fast vor freude überschäumend. "aber ich sehe große, groooße gefahr auf ihn und seine freunde zukommen" zischte er "und deshalb bin ich da...gekommen um dich mit magischer kraft zu beschenken...die du ihm weitergeben wirst, alte hexe".

jetzt hatte er einen bestimmenden ton angenommen..."es ist walpurgiszeit, kaufe nun die in der reihenfolge als siebente, mit fehlern deklarierte aber dennoch überteuerte decke und verrate ihm ihr geheimnis zum 18 vollendetem lebensjahr." Was für ein geschickter vertreter kam es ihr in das vernebelte gehirn aber dann horchte sie genau auf als das männchen mit den worten: " so soll diese ihm und seine kumpels später einmal zu gute kommen ..." fortfuhr und schon war der spuk vorbei und das männeken verschwunden, so als sei nichts gewesen.

benommen hatte sie sich noch zurück in den verkaufsraum geschleppt und die gepriesene decke erstanden und später alles so getan wie ihr befohlen ward...so hatte es ihm jedenfalls tonne, natürlich wie immer im rausch und mit ganz weit aufgerissenen augen, ja fast schon mit irrem blick, so schien es ratte damals,anvertraut. nie hatte er an diese unsinnige geschichte der oma und der decke aus dem hartz geglaubt. Vielleicht hat es tonne selbst nicht einmal getan. Fast gehauen hätten sie sich damals, weil ratte ihn als spinner abgetan hatte. Doch jetzt wo die oma nur wenige meter entfernt von ihnen im garten die radießchen von unten besah, besann sich ratte darauf.

angetrieben von verzweifelter angst der oma bald gesellschaft leisten zu müssen schoss es ihm in den sinn, als die einzige hoffnung dem flammentod doch noch zu entgehen.: "wo ist diese verdammte decke!?! Röchelte er heiser. wieder und wieder flehte er " die decke, die decke !!" er konnte sie in dem von beißendem qualm venebeltem zimmer nicht sofort erspähen. und jetzt fast zur aufgabe bereit, mit an sich selbst gerichteten worten, die denen eines ungläubigen ähnelten:" soll ich diesen schwachsinn überhaupt glauben"...richtete er sich noch einmal auf. wild mit seinen armen fuchtelnd, so als könne er sich eine bresche durch die mauer aus rauch schlagen und mit großen, verzweifelten und von todesangst getriebenen blick, wandte er sich noch einmal in alle richtungen.

Und da lag sie . Genau neben ihm. Zum greifen nahe. aber schon wieder stürzte die hoffnung abgrundtief: Tonne lag auf ihr. alles schien auswegslos, denn der hatte seinen spitznamen nicht nur so bekommen. Etwas schwergewichtig war tonne schon und ihm selbst waren seine sonst so kräftigen glieder durch die hitze und den sauerstoffmangel starr geworden. "Gib mir die decke" stöhnte er ihn an... tonne aber, der vom korn und vom rauch schon so benebelt schien reagierte nicht..." los du fetter sack gib mir die decke...entglitten ihm die fast schon bösartigen worte, die er zuletzt zu ihm gesagt hatte, als sie sich genau wegen dieser geschichte mit der oma, damals zerstritten hatten.

"die decke auf der du liegst" forderte er zum erneuten male. Ihm fiel auf wie schwach er selbst schon war um sie einfach unter ihm weg zu reißen... er wünschte sich die kräfte zurück die er damals hatte, als er im streit tonne von sich schubste und dass trotz vernebelten hirnes, des alkohol wegens und der doch überwiegenden kräfte seines freundes. irgendwie schien er sich in der selben situation zu befinden und es war wieder ein kampf auf leben und tod. "nur nicht die besinnung zu verlieren" nur jetzt nicht schlapp machen" keuchte er,"nur nicht aufgeben" machte er sich mut...wann wenn nicht jetzt könnte sich die geschichte der oma bewahrheiten...und sich der alte streit ins gute wenden...

8 ( Fortsetztung von Britta Niemann ):

"verdammte kacke, tonne!", knurrte ratte mit seinen letzten kräften. verzweifelt blickte er sich um, konnte aber nichts nützliches finden. plötzlich spürte er etwas auf seiner schulter, und zuerst glaubte er, dass es einer seiner freunde sei. doch als er an sich heruntersah, blickte er direkt in die augen eines kleinen, grünen männchens. "what the fuck?", murmelte er und schaute ihn fragend an. die situation schien einfach lächerlich, sodass er anfangs dachte, es seien erste erscheinungen des sauerstoffmangels. nicht nur, dass dieses .. ding.. aus dem nichts aufgetaucht war, nein, jetzt fing es auch noch an zu singen!

"ich bin gekommen dir zu sagen,
du musst das schier unmögliche wagen.
es ist eine ziemlich schwierige aufgabe,
zerbricht bei ihm doch jede waage.
doch geb die hoffnung nicht auf,
sonst nehmen die dinge ihren lauf.
ich weiß, es ist ne höllenqual,
wegzuschieben diesen wal.
du musst etwas benutzen,
womit andere leute putzen,
doch das alleine reicht nicht aus,
ihr müsst so schnell wie möglich raus!
für diese sache brauchst du neben kraft
auch ein bisschen gerstensaft!
schon bald wird es dir gelingen,
und dann werden wir alle fröhlich singen!
denn ich, das kleine, grüne punkerlein,
ich werde euer retter sein!"

verwirrt schaute er sich um, was zum teufel sollte ihm hier nützlich sein? er öffnete gerade den mund, um etwas zu erwidern - ein schlimmer fehler, atmete er so doch unnötig viel qualm ein - als sich das kleine ding ins nichts auflöste. plötzlich kam ihm die rettende idee! ratte wusste, dass tonne gegen putzmittel allergisch war (anfangs dachte ratte, er wolle ihn nur verarschen, weil putzen ja nicht zu nem punk passte und er dafür sowieso viel zu faul gewesen wäre) und konnte ziemlich bald eine kleine flasche erspähen. "jau, das hat zu klappen!", dachte er ermuntert und stellte eine halbvolle flasche bier circa einen meter neben tonne auf. schmeckte sicherlich nicht mehr sonderlich gut, aber für den zweck musste es reichen. vorsichtig öffnete ratte die putzmittelflasche - schließlich brannte das zeug ziemlich gut - und hielt sie unter tonnes nase. sofort richtete er sich auf, schaute angewidert umher und fing an zu husten. dazu tragten sowohl rauch als auch das putzmittel bei. dann nahm der plan seinen lauf. wie ein kleines tier schnüffelte er umher, erblickte das bier und rollte zur seite. "strike!", schrie ratte mit letzter kraft, als ihm schwindelig wurde und er auf die heizdecke fiel.

als er das nächste mal die augen öffnete, befand er sich in einem grellen, weißen licht. geblendet schloß er diese aber sofort wieder. für einen winzigen augenblick fragte er sich, ob er tot sei, als plötzlich ein lauter rülpser die stille unterbrach. langsam öffnete ratte die augen, aus angst, wieder geblendet zu werden. doch nichts geschah, er befand sich in der laube und alle seine leute waren wohl auf. verwirrt blickte er sich um, konnte aber die heizdecke nirgends erkennen. "eingeschlafen, heh?", grinste tonne und fügte hinzu, dass es ein sehr anstrengender tag gewesen sei. ratte wunderte sich, traute sich aber anfangs nicht, etwas zu sagen. es dauerte so 20 bier, bis er sich wankend zu tonne gesellte, der zum schiffen nach draußen gegangen war, und lallte: "du..tonne.. die sach' mi' der heiß..heiß...heizdecke... die's wah.. die hat un..unß..uns.. das.. das leben geredded..". anschließend hickste er ein paar mal. tonne, der noch ziemlich klar im kopf war, antwortete mit einem merkwürdigen blick in den augen: "was is los? die heizdecke.. ich weiß, das war schwachsinn. deswegen habe ich sie vor ein paar wochen zum sperrmüll gegeben.. meine oma wollte mir bestimmt nur angst machen.." plötzlich war er wieder voll bei der sache, und mit weit aufgerissenen augen starrte er seinen freund an. "was is? du hattest recht, ratte, aber da musst du jetzt nich die ganze zeit drauf rumreiten..", lachte er und und setzte sich wieder zu den anderen.

ratte blieb noch einen moment draußen. hatte er alles nur geträumt? aber es war so real gewesen.. es konnte unmöglich nur ein traum gewesen sein. dann auf einmal sah er etwas grün leuchten, und als er näher herantrat, konnte er das kleine, grüne männchen erkennen. "dange..", lallte ratte, und ging mit einem lächeln zurück in die hütte, während er das lied des wichtels summte. er war nicht verrückt, und der alte streit war nun schließlich doch gelöst. doch dann hörte er die alte uhr der oma, die mit tiefen schlägen verkündete, dass es zwölf uhr war. verwundert drehte ratte sich um - er konnte unmöglich einen ganzen tag geschlafen haben! plötzlich wurde ihm alles klar, und er erinnerte sich an die zwei zeilen des liedes, die ihn auffordeten, die laube zu verlassen...und dann hörte er schritte, die immer näher kamen...

9 ( Fortsetzung von Verena Brugger ):


Ratte begann zu frösteln. Er sah' sich um. Die Schritte waren nicht mehr zu hören.Seltsam. Erst stand er noch ziemlich verdutzt da, doch langsam, ganz langsam erreichte die Erkenntnis, dass er wirklich nur geträumt und einfach etwas zu viel gesoffen hatte, sein
alkoholgeschädigtes Hirn und er brach in krankes Lachen aus. Er torkelte auch wieder zu den anderen in die Hütte, wo er feststellte, dass erstens kein Alkohol mehr da war und sich zweitens zwischen den ganzen Alkoholleichen auf dem Boden kein Platz mehr fand, an dem er pennen konnte. Er vergewisserte sich also, ob sein kleiner Freund sich noch in seiner Tasche befand, und machte sich seufzend auf den Weg in die Stadt. Er würde am Bahnhof übernachten, weil das im Winter akzeptiert wurde und weil sich dort jeden Abend einige Punks und Skins zu einer Schlafgemeinschaft zusammenfanden. Das hatte den Vorteil, dass immer eine Person wach war und aufpasste, um die anderen rechtzeitig zu
warnen, falls Boneheads oder sonstige feindliche Gestalten ihre Schritte zu dem Grüppchen lenkten.

Doch als er am Bahnhof ankam, konnte er nicht eine einzige der Personen entdecken, die dort sonst ihre Nacht verbrachten. "Scheiße", dachte er ,"komm ich denn heut' gar nicht mehr zum Pennen?" Er wusste, dass das Risiko, verprügelt zu werden, wenn er hier blieb,
hoch war, aber er wusste auch, dass seine Beine ihn nicht mehr lange tragen würden. Er schaute sich unschlüssig um, als plötzlich eine ihm bekannte Stimme ertönte. "Mensch Kläffer, komm' ma' ran hier..." Er drehte sich um und sah ein kleines schwarzes Ding, das auf ihn zurannte.

Als es langsamer wurde, erkannte er, dass es Kessys Hund Kläffer war. Inzwischen hatte die ihn auch schon fast erreicht. "Heyho, Ratte, alles klar?". "Hey Kessy...was machst'n du hier?", wunderte sich Ratte. "Ich dacht', du wlltest dich von hier verpissen??" "Hm...joah, das hatte ich vor", erwiderte Kessy. "Aber das is ne lange story...lass 'ma morgen reden, 'kay?! Ich will heut nur noch pennen...hab nur Kläffers Lieblingsspielzeug hier vergess'n...Ach, da isses ja, endlich." Ratte grinste. Er kannte Kessy schon ewig und war froh, dass sie doch hier war. "Was is, kommst du?", fragte sie ihn. "Mensch, was hast'n du
alles gesoffen...?!" Mit diesen Worten packte sie ihn am Ärmel und schleifte ihn hinter sich her. "Ey", protestierte er, "ich dacht', du wolltest ratzen?! Wo geh'n wir denn jetz hin?!"
"Mann, Ratte", lachte Kessy, "du kriegst auch gar nix mehr mit, oder? Wir ham doch für'n Winter die alte Lagerhalle zum Pennen gekriegt. Sogar 'n paar Schlafsäcke und 'nen Heizstrahler ham die Herren Politiker uns da gelassen...weißt du davon noch gar nix?"
"Ach fuck, stimmt ja!" Ratte schlug sich gegen den Kopf. Kein Wunder, dass er am Bahnhof niemanden gefunden hatte. Die Stadträte machten jetzt ja einen auf Menschenfreund und "kümmerten" sich um die bedürftigen Punks. Normalerweise kotzte ihn sowas an aber heute war er einfach nur froh, endlich 'nen Schlafplatz in Aussicht zu haben. Er war so müde und in Gedanken versunken gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass sie schon fast bei der Lagerhalle angekommen waren.

Er beschleunigte seinen Gang, so gut es ging, und stieß schnell das Tor auf, das den Eingang der Halle darstellte. Warme Luft schlug ihm entgegen. "Ich glaub', inzwischen sind schon alle Schlafsäcke belegt", wisperte Kessy. "Aber du kannst ja mit in meinem pennen!"
Ratte nickte dankbar. Sie zwängten sich zusammen mit Kläffer in den Schlafsack und Ratte schlief mit Kessy im einen und seiner Ratte im anderen Arm bzw seiner anderen Hand, ein...

10 ( Fortsetzung von Christian Möller ):

..so gut schlief Ratte schon lange nicht mehr....dieses schöne Gefühl nicht alleine zu sein...die Wärme und die Nähe eines anderen Menschen neben sich zu spüren, dass war schön und ungewohnt zugleich. Als Ratte erwachte schlief Kessy Gott sei dank noch, denn sonst wäre es ihm doch ganz schön peinlich gewesen. Er spürte diese unheimlich harte Morgenlatte in seiner viel zu engen Bondagehose. Oh nein dachte er, was soll Kessy von mir denken. Und dann bemerkte er dass seine Hand ihre wohlgeformte Brust umfasste. Erschrocken zog er sie schnell zurück ohne dass Kessy dabei erwachte. Eigentlich war er sonst kein schüchterner Mensch, aber bei Kessy war das anders. Alle mochten Kessy, aber sie wurde noch nie mit einem Mann zusammen gesehen. War sie vielleicht schwul, kam ihm kurz der Gedanke. Geht ja gar nicht dachte er, das sind doch nur Männer. Bei Mädchen heißt es doch lesbisch. Aber im Grunde genommen war es doch egal wie es heißt, denn es läuft eigentlich auf das Selbe hinaus...“gleichgeschlechtliche Liebe“, dachte er. Kessy zuckte am Körper und ließ ein leichtes seufzen vernehmen, so als würde sie sagen wollen: „eh du Spinner, ich bin weder das Eine noch das Andere. Nu streichel mich doch mal.

Und als ihm gerade die Äuglein wieder zufallen wollten und er so Seelig von Liebesberührungen träumen wollte, stupste ihn Kläffer mit seiner feuchten schnauze vorsichtig an die Nase. Darauf begann er ihn auch noch mit seiner weichen Zunge abzuschlecken. „Oh nee bitte nicht Kläffer flüsterte er ihm ganz leise zu...ich steh ja schon auf. Pissen muss ich auch.“
Vorsichtig rückte er von Kessy, und deckte sie noch einmal sanft zu. Geplagt von einem höllischem Druck auf der blase, spürte er noch einmal kurz wie schön es eben war, und raffte sich auf. Verdattert schweifte sein Blick eine Runde durch die Halle....Sie waren alleine. Die Anderen waren schon aufgebrochen. Wie spät war es nur, sicherlich schon mittags. Sollte er nicht heute auf dem Sozialamt vorbeikommen und sein Geld holen. Dafür war es wohl wieder zu spät. „Komm Kläffer“ seufzte er, „wir gehen pinkeln.“ Und als er sich in Richtung Tor bewegte schien es als würde Kläffer vor Freude um ihn herum tanzen.

Draußen hatten warme Wintersonnenstrahlen auch den allerletzten Schnee zum schmelzen gebracht. Und überall war das Plätschern des Tauwassers zu hören. Aber jetzt plätscherte es noch lauter. Beide hatten eine Ecke gefunden wo sie sich endlich dem ungewolltem druck entleeren konnten. „Oh war das angenehm“, stöhnte Ratte. „ Und du kleiner, bisste auch zu- frieden?!“ Wieder sprang der kleine Gefährte und „Mitpisser“ vor Freude in die Luft, als wolle er sich bedanken. Wo ist denn meine kleine Weggefährtin, dachte Ratte und suchte verzweifelt in seinen Ärmeln der Lederjacke. Vergebens, weder in den Taschen noch sonst wo machte sie sich bemerkbar...“Na gut dann gehen wir wohl heute mal fremd“, er erinnerte sich, dass er sie, beim aufwachen, kurz unter Kessys pulloser gespürt hatte... und da wo er eben noch seine hand hatte, war sie bestimmt kuschelig in Sicherheit geborgen. So dass er sich nicht sorgen musste. „Na wollen wir die beiden mit einem frühstück überraschen?!, sah er den Hund fragend an. „Dann gehen wir jetzt ne kleine Runde schnorren. Ein paar Euro, statt des Sozialgeldes, machen wir beide bestimmt schnell und kommen mit etwas zu futtern wieder.“ „Aber halt, erst mal einen Zettel schreiben.“ Kramte aus seiner Innentasche einen Stift und zog einen zerknitterten Flyer hervor, den er irgendwann mal in die Hände bekommen hatte. Dann kritzelte er hastig: „halo, ich hofe du haßt genau so schön gepennt wi ich. wir sind ma was zu mambfen holn am banhof bis gleich.“ Mit der Rechtschreibung hatte er es nicht so. Dafür konnte er um so besser zeichnen und hinterließ als Unterschrifft ein kleinen Punker mit Hund.

Du bleibst hier sitzen ermahnte er Kläffer. Der aber schon die ganze zeit während er gemalt hatte brav an seinem Bein gekuschelt saß, so als seien sie seit ewigen Zeiten dicke Freunde. Ratte öffnete das Tor und legte die Nachricht genau neben Kessys Kopf, die immer noch sanft und fest in ihren Träumen lag. Dann begab er sich wieder hinaus zu Kläffer. Und verschloss hinter sich leise das Tor. „So jetzt aber schnell“, sprach er zu seinem neuem Freund. „Wir wollen doch zurück sein bevor die beiden aufwachen“, und schon stiefelten beide los. Unterwegs sprach Ratte die erste Person, die Sie trafen an. Es war eine alte Dame. „Ob sie wohl für seinen Hund und ihn etwas Kleingeld hätte. Zum Frühstück, fügte er an“. „Bestimmt nicht für Alkohol?!, erwiderte die grauhaarige Dame mit einem süffisantem lächeln. „ Nee bestimmt nicht. Meine Freundin schläft noch in der alten Fabrikhalle und ich möchte sie mit einem frühstück überraschen“, entgegnete er mit leichter Errötung. Das mit der Freundin wäre schön, schoss es ihm in den Kopf, als er die zehn Euro schon in seiner hand hielt. Verdattert schaute er der Alten hinterher und hatte gar nicht mitbekommen wie sie ihm das Geld gegeben hatte. Und im Weggehen sagte sie noch: „ Ist ja bald Weihnachten junger Mann. Holen sie sich mal was zu Essen.“
Das schien ein guter Tag zu werden !

Er trieb Kläffer zur Eeile an. Obwohl dieser lieber an fremden Hundehäufchen interessiert zu sein schien. „Auf geht’s, wir müssen weiter!“ In der Ferne war auch schon der Bahnhof zu sehen. Und vor ihm lungerten auch schon die Kumpels. Er erblickte Tonne. Der mit fuchtelnden Armen auf ihn zu gehastet kam. „Mensch alter du hast ja Kläffer! Wo ist Kessy? Da waren so komische Typen. Die suchen sie!“ schrie er ihn panisch an. Schlagartig fiel ihm ein sie wollte ihm doch am morgen erzählen warum sie die Stadt nicht verlassen hatte. „Wo ist sie man, wir müssen sie warnen.“ riss Tonne Ihn aus seinen Gedanken. Eben noch so glücklich und verliebt und sorgenfrei, stammelte er jetzt panisch:“Iiin der alten FaFabrikhalle. Wir, wir wollten Frühstück hoholen“.. und eher er zuende war, hatte Tonne ihn schon am arm gepackt. „Das könnt ihr beiden Turteltauben später machen. Wir müssen erst mal Kessy in Sicherheit bringen.“ Hastig eilten die drei zurück zur Lagerhalle, ohne ein Wort miteinander zu wechseln,wobei anscheinend auch Kläffer begriffen hatte wie ernst es war. Von Weitem sahen sie schon das das Tor weit offen stand...es hätte so ein unbefangener Tag werden können...

11 ( Fortsetzung von Britta Niemann ):

Sofort hetzte Kläffer zur Fabrikhalle und die zwar panisch dreinblickenden, aber dennoch recht verkaterten Punks folgten ihm schnellen Schrittes. Unmittelbar danach hörte man ein Jaulen, das von dem Hund ausging. Er schnüffelte bereits an dem Nachtlager seines Frauchens, welches sich Ratte mit ihr geteilt hatte. Bei dem Gedanken daran schlug sein Herz nur noch schneller, und er würde es sich nie verzeihen, wenn ihr etwas zustoßen würde. Schließlich hatte er sie alleine gelassen, auch wenn er von der ganzen Geschichte nichts ahnen konnte. "Verdammt, man, wie sollen wir Kessy hier finden, die Stadt ist doch riesig!", fluchte Ratte und kickte eine leere Bierdose gegen die Wand. "Und von den anderen, die hier normalerweise pennen, ist auch keine Hilfe zu erwarten. Sind ja alle ausgeflogen..", seufzte Tonne und setzte sich erst einmal auf seinen gar nicht mal all zu kleinen Arsch. Für einen kurzen Moment herrschte absolute Stille, mit Ausnahme des Schnüffelns von Kläffer. Plötzlich blickte er auf, bellte und knurrte ein paar Mal und zog Ratte am Ärmel in Richtung Tor. "Der hat 'ne Fährte, man, ich dachte immer, sowas klappt nur im Fernsehn!", grinste Tonne, sich langsam aufrichtend und eindeutig zuversichtlicher, dass sie sie finden konnten. Die Frage war nur, wie viel Zeit ihnen blieb.
Kläffer hetzte die Gruppe quer durch die Stadt, weshalb Tonne bereits nach ein paar Minuten schnaufend stehen blieb. "Man...ich...boah man, scheiss Raucherlunge...ich geh ein paar Leute fragen und mobilisieren, die Typen sahen verdammt übel aus..", keuchte er, die Hände auf die Knien gestützt.
Nach ungefähr 10 Minuten kamen Ratte, Muschel, Schmanti und Ot, ein relativ starker, großer Kerl, im alten Industriegebiet an, doch der Weg sollte noch nicht zu Ende sein. Der Hund schien die Ausdauer eines Langläufers zu haben, aber dann irgendwann fanden sie sich im Wald neben dem Skatepark wieder. Die Rückseite der einen Quarter war eingegittert, aber durch ein Tor konnte man diesen Bereich betreten. Früher waren hier einmal Leute vom Jugendamt gewesen, die einige Sachen dort gelagert hatten, aber die Gegend war übel und so hatte man die Hoffnung aufgegeben und die Jugendlichen sich selbst überlassen. Die Folgen waren deutlich, der Park war heruntergekommen und in der Hand einer Straßengang, weshalb hier kaum noch Jüngere herkamen.
Und dann war da dieser Schrei, der nur von Kessy kommen konnte.

Ratte wollte sofort losstürmen, ohne Herr seiner eigenen Vernunft zu sein, aber glücklicherweise erwischte ihn Muschel noch am Arm. Er bedeutete ihm, leise zu sein, und so rückten sie Schritt für Schritt, fast schon geräuschlos, näher. Irgendwann konnten sie sehen, dass eine Gruppe von vielleicht 10 Leuten unter der Quarter stand, die Kessy in die Ecke gedrängt hatte. Trotz der Warnung Schmantis begab er sich noch näher an diese heran, konnte schließlich sogar verstehen, worüber sie redeten. "Weisst du, Kessy, ich hab dir vertraut, als du sagtest, du würdest das Zeug loswerden. Und Loswerden heisst definitiv nicht selbst nehmen, ich dachte das sei klar." Ratte konnte nun sehen, dass Kessy gefesselt war, und dass dieser schmierige Typ sie streichelte; ihr Gesicht war verzerrt, und sein Puls war schneller als je zuvor. Alleine hatte er keine Chance, das wusste er, und wer weiß, ob die nicht Messer oder so hatten, und sonst standen da ja auch noch genug Glasflaschen herum. Erschrocken starrte Ratte an den Baum, an dem er sich festhielt; er hatte ihn so stark umklammert, dass der Ast abgebrochen war. Natürlich nicht ohne ein lautes Geräusch, wie sollte es anders sein... Sofort fühlte er, dass ungefähr zwei Dutzend Augen an ihm klebten, ihm stockte der Atem. "Verdammt, verdammt, verdammt!", war das einzige, was in seinem Kopf umherschwirrte. "Komm runter, man, oder sollen wir hochkommen?", schrie einer, und Ratte wusste, dass ihm nichts anderes übrig blieb. Seine Leute waren da ja auch noch oben, und er wollte sie nicht ins offene Messer rennen lassen. Oder gerannt werden, wie auch immer.
Er ließ sich so viel Zeit wie möglich, weil er fieberhaft nach einem Ausweg suchte, der sowohl für ihn aber an erster Stelle für Kessy glimpflich sein könnte, und plötzlich durchschoss ihn ein Geistesblitz, als er in seiner Hosentasche herumwühlte. Ein benutztes Taschentuch. Ein Stückchen Brot, seine Ratte. Der zehn Euro Schein... Der zehn Euro Schein!
Lächelnd und selbstbewusst, innerlich aber am ganzen Körper zitternd, trat er an die Gruppe heran. Zwei Riesen grinsten ihn an und deuteten einen Kampf an, ein anderer spuckte ihm vor die Füße. Vier Männer standen vor der Stelle, an der er Kessy das letzte mal gesehen hatte; möglicherweise um sie zu verstecken. "Was willst du, Spacken.", hörte er den schmierigen Typen sagen. "Ein bisschen Weed." Ratte versuchte, so ernst wie möglich zu gucken, aber nicht provozierend, und seine zitternden Hände hatte er in seinen sehr engen Hosentaschen vergraben. Der Typ fing an zu Lachen. "Ich dachte schon, du würdest Stress suchen. Aber dabei bist du nur ein Kunde. Vorgedreht oder pur?" Angesichts der Tatsache, dass er sein Geld ja nun auf den Kopf hauen würde, und er weder im Besitz von Papers noch Tabak war, blieb ihm eigentlich nur eine Möglichkeit. Das Geschäft war schnell erledigt, und bald war Ratte um 10 Euro ärmer und 3 Joints reicher - mieser Kurs, aber die konnten es sich leisten. Gerade als er diese verstaut hatte, kamen plötzlich Muschel, Schmanti und Oz runter, und dann waren da noch diese 20 weiteren Punks, mobilisiert von Tonne und von Kläffer an Ort und Stelle gebracht. Dass er ein kluger Junge war, wusste Ratte schon immer. Lächelnd ballte er seine Hand in seiner Hosentasche zu einer Faust, für jeden anderen deutlich sichtbar. Jetzt war die Zeit der Rache gekommen, und sofort zog er seine "Waffe" aus eben dieser Tasche und schlug zu, dem schmierigen Typen direkt in die hässliche Visage. Mit blutender Nase drehte sich dieser um, und für ein paar Sekunden herrschte Stille. "Also doch einer, der Stress sucht, was? Wegen der Kleinen etwa? Glaub mir, die isses nicht wert..", grinste er selbstbewusst, das Blut mit dem Ärmel abwischend. Dann fügte er hinzu: "...Obwohl, wenn ich mir dich so ansehe.. Da liegt die Vermutung nahe, dass dieses Miststück mehr Wert ist als das, was du bei dir trägst..." Anschließend nickte er einem der großen Typen, der auch sofort näher kam. "Spiel mit ihm", raunte er ihm zu, während auch die vier Männer von Kessy abließen und sich nach vorne bewegten. Sie saß immer noch gefesselt am Boden, und nun vom Nahen konnte Ratte erkennen, dass ihr eines Auge blau war und die Lippe ein wenig angeschwollen. Das machte ihn so wütend, dass er völlig außer sich auf den Riesen einkloppte, und schon bald hatten sich seine Leute mit eingemischt. Bis auf einem kleinen Zwischenfall (der schmierige Typ zog auf einmal 'ne Waffe, aber Ot hatte ihn mit einem geschickten Lowkick außer Gefecht gesetzt - früher hatte Ot diverse Kampfsportarten trainiert, bis er dann irgendwann auf der Straße landete) war der Kampf relativ einseitig, und irgendwann endlich stand Ratte direkt vor Kessy, kniete sich nieder und streichelte ihren Kopf. "Mensch, was machst du denn schon wieder für Sachen?", fragte er, lächelte sie an und befreite sie erst einmal. Anschließend zog er sie aus der noch immer kämpfenden Menge, erklärte seinen Jungs, dass er sich jetzt um Kessy kümmere und konnte sich einen letzten Kommentar nicht verkneifen: "Ein Mädel könnt ihr mit einer Gruppe von etwa 10 Leuten fertig machen. Aber jetzt, wo ihr genau so Starke vor euch stehen habt.. wie erbärmlich.."


Ratte brachte sie erst einmal zur Lagerhalle, und irgendwann tauchte dann auch Kläffer auf, der Kessy erst einmal abschleckte. "Was wollten die von dir, man?", flüsterte Ratte ihr ins Ohr, die anderen mussten ja nicht unbedingt wissen, worum es geht, zumal Ratte ja auch keinen blassen Schimmer hatte, was da vor sich ging. Sie senkte ihren Blick, starrte mit leeren Augen gegen die Wand. "Ich hab Geld gebraucht." "Und das hast du dir von diesen Typen geliehen?", fragte Ratte entsetzt, nun auch ungewollt lauter. "Ja und.. Nein.. nicht direkt.. ich hab für die vertickt, und irgendwann hatte ich die Knete zusammen, aber..", auf einmal standen ihr die Tränen in den Augen, und der junge Punk fühlte sich ein wenig hilflos. er hatte auch nie Wärme erfahren, und deswegen kam er mit Situationen, in dem dies von ihm verlangt wurde, einfach nicht klar. Trotzdem setzte er sich ein wenig näher an sie, legte ihren Arm um ihre Schulter, damit die anderen nicht sahen, dass sie weinte. "Was haben die gemacht?", bohrte er nach. "Naja, irgendwann hatte ich das Geld zusammen. Aber das hörte nicht auf. Sie verfolgten mich, haben mich geschlagen und dazu gezwungen, weiterzuarbeiten..", Kessys Stimme bebte. "Aber warum..? Wofür das Geld? Und warum hast du nicht einfach aufgehört und bist irgendwo untergetaucht?" "Für Kläffer. Er musste vor ein paar Monaten operiert werden, sonst wäre er jetzt tot... und er ist doch das einzige, was ich habe..", schniefte sie nun und sammelte sich ein wenig. Ratte musste an sein erstes "Straßentier" denken, seine erste Ratte, die von diesem Nazi getötet worden war, und er wusste, wie schmerzlich das war. "Sie haben gesagt, sie würden ihn töten, wenn ich nicht weitermache. Dass ich nicht ewig davonlaufen könnte, und ich ihnen außerhalb der stadt schutlos ausgeliefert wäre... Ratte, ich hatte Angst!"
Ratte antwortete nicht. Er spürte, dass das nicht nötig war, und nahm einfach ihre Hand. "Wollen wir nicht ein wenig nach draußen? so ein bisschen frische Luft tut dir gut, und wir bleiben auch in der Nähe der Lagerhalle..", schlug er vor, er wollte mit ihr allein sein. Er hatte sofort gemerkt, dass ein paar neugierige Blicke wie Kleber an den beiden klebte.
Sie setzten sich mit Kläffer an den kleinen Bach, und nach ein paar Minuten des Schweigens fiel ihm plötzlich ein, was er noch in der Tasche hatte - da waren noch diese drei Joints!
Doch auf einmal hörte man von irgendwoher ein Knacken, und plötzlich war das komplette Licht in der Straße, einschließlich der Lagerhalle, weg. Und dann hörte man einen Schuss...

12 ( Fortsetzung von Sonja Schröder):

Ein zweiter Schuss hallte durch die Straße. Kläffer fing an zu Bellen und rannte nervös um die beiden herum, er wusste anscheinend selber nicht was er tun sollte. Kessy guckte Ratte  ängstlich an, soweit er sie  überhaupt noch sehen konnte. Es war fast komplett dunkel und er sah nur noch Hage umrisse und den Mond der sich im Bach spiegelte. Er zog Kessy an der Hand und rannte, er hatte noch keinen genauen Plan aber er wusste, dass die beiden fürs erste weg von der Lagerhalle mussten.Die Beiden rannten durch Büsche und Sträucher und Kläffer hörte einfach nicht auf zu bellen, sodass beide schon bald hektische Schritte hinter sich bemerkten. Auf einmal merkte er, dass er den halt unter den Füßen verlor und hörte Kessy schreien.Ratte rutschte einen Hang hinunter der voller Stacheligen Pflanzen war, was auch immer es für Pflanzen waren, er wünschte sie in diesem Moment in die Hölle. Er rutschte immer schneller, da der Hang immer steiler wurde. Vor lauter Panik bemerkte er erst jetzt das er Kessys Hand verloren hatte und auch ihr schreien nicht mehr hören konnte. Plötzlich stieß sein Kopf gegen etwas sehr hartes. Als er wieder zu sich kam brauchte er einen Moment um wieder klar im Kopf zu werden. Als er wieder wusste wo er war geriet er direkt in Panik, Kessy war nicht zu sehen, auch nicht zu hören. Als Ratte aufstand bemerkte er das sein Kopf blutete, er war wohl gegen einen Stein geschlagen. Den Schmerz verdrängte er, er musste Kessy finden.Ihre Verfolger waren wohl nicht mehr da, denn er hörte kein Geräusch außer dem seiner pochenden Wunde.Er rief nach Kessy und lief dabei kreuz und quer.  Er lief gar nicht all zulange bis er Kläffer bellen hörte. Kläffer kam zu ihm gerannt und bellte wie ein verrückter. „Kläffer, wo ist Kessy?? Bring mich zu ihr!“, rief Ratte aufgeregt. Kläffer rannte ihn fast um und er strich ihm kurz übers Fell, als Kläffer losrannte.  Ratte hatte Probleme mit zuhalten bei dem Tempo. „Verdammte Raucherlunge!! Kläffer langsamer!“, brüllte er. Doch den Hund interessierte das nur allzu wenig.  Also rannte Ratte, wie er noch nie in seinem Leben gerannt war. Nach vielen Metern, die Ratte vorkamen wie viele Kilometer, waren sie bei Kessy.Sie wimmerte leise vor sich hin und als Ratte zu ihr runter kam fiel sie ihm in die Arme. „Ist alles in Ordnung bei dir? Was ist passiert?“, fragte er aufgeregt. „Mir geht es soweit gut! Ich bin einfach nur gefallen und dann lag ich hier, ich habe mich nicht getraut aufzustehen, wegen der Gang. Ich dachte sie wären immer noch hinter uns her.“, sagte sie mit sehr weinerlicher Stimme. Bei Ratte war wieder dieses Gefühl von Überforderung, er wusste einfach nicht was er in solchen Situationen tun sollte. Da er nie Liebe und Geborgenheit erfahren hatte, wusste er nicht damit umzugehen. Er nahm Kessy einfach in den Arm, wenn auch etwas zögerlich und zurückhaltend, sie weinte noch ein wenig und er streichelte sie. Sie beruhigte sich langsam wieder, auf einmal befreite sie sich aus seiner Umarmung und schaute ihn aus ihren Dunkel-braunen Augen an. Einen Moment lang schauten sie sich einfach in die Augen. Dann küsste sie ihn, erst noch zurückhaltend und dann immer heftiger. Sie zog ihn langsam aus, trotz der eisigen Kälte wurde im schnell heiß.  Dann ließ er sich einfach fallen und machte mit. Am Morgen wachten sie auf, immer noch eng umklammert, so wie sie auch schon am vorherigen morgen aufgewacht waren. Ratte fühlte sich in ihrer Nähe so wohl, dabei musste er an Tonne denken, Tonne hatte immer zu Ratte gesagt er solle sich ja nie von einer Frau um den Finger wickeln lassen, denn dann wäre alles zu spät. Das ist ihm jetzt anscheinend passiert oder doch nicht? Er wusste ja  nicht wie es sich anfühlte“ um den Finger gewickelt zu sein“ , verliebt zu sein. Aber er war sich ziemlich sicher, ja er war verliebt!„Es kommt mir vor wie in einem schnulzigem Liebesroman meiner Oma!“, sagte Ratte und grinste.  Sie lächelte ihn nur an und stand auf. Die beiden zogen sich grade wieder an und wollten los gehen als Kessy bemerkte das Kläffer verschwunden war. „Klääääääääffeeer, Klääffeer!!!“ , rief sie voller Angst um ihn. Ratte und Kessy liefen umher und riefen beide pausenlos „Kläääffeer“. Doch es war keine Spur von ihm zu sehen…

 
(und von dieser Stelle an warten wir nun wieder auf weitere Fortsetzungen, die wir dann wieder nach einiger Zeit einstellen werden)